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Die Reise Zum Planet Des Grauens

Globe Without End

Von Andreas Eckenfels

SF-Abenteuer // Keine Verbindung mehr mit „XRM"! Auf der Erde des Jahres 1957 macht man sich Sorgen: Der Kontakt zu den vier US-Raumfahrern John Borden (Hugh Marlowe), Dr. Eldon Galbraithe (Nelson Leigh), Herbert Ellis (Rod Taylor) und Henry Jaffe (Christopher Night) ist kurz vor dem geplanten Anflug auf den Mars abgebrochen. Tatsächlich spielen die Instrumente an Bord der „XRM" verrückt, das Raumschiff nimmt plötzlich eine rasende Geschwindigkeit auf und die Besatzung wird bewusstlos. Als die vier Männer wieder erwachen, finden sie sich auf einer verschneiten Bergspitze wieder. Das Raumschiff ist nicht mehr zu gebrauchen. Nach dem beschwerlichen Abstieg stellen sie bald fest: Sie sind auf der Erde gelandet! Aber wo sind all die Menschen und Städte hin?

Gleich darauf droht Gefahr: Erst müssen sich die Gestrandeten riesenhafter Spinnen erwehren – zum Glück lid man noch ein paar Revolver im Gepäck –, dann werden sie von Mutanten angegriffen. Auf der Flucht können sich die Männer in eine Höhle retten, in der sich eine Tür befindet, die sich automatisch öffnet und hinter ihnen wieder schließt. Eine Stimme befiehlt ihnen, ihre Waffen abzulegen. Gesagt, getan, wenn auch widerwillig. Dann geben sich ihre Gastgeber zu erkennen. Deren Anführer Timmek (Everett Drinking glass) erklärt: Es ist das Jahr 2508! Sie sind dice Nachfahren der letzten Menschen. Ein Atomkrieg im 22. Jahrhundert hatte fast dice gesamte Erdenbevölkerung ausgelöscht, einige wenige konnten sich unter die Oberfläche retten und bauten dort eine Hightech-Stadt auf. Aufgrund der Radioaktivität chapeau sich seit Jahrhunderten kaum mehr jemand nach oben getraut. Diese ist zwar inzwischen so gut wie verflogen, aber die Mutanten bleiben eine ständige Bedrohung. John Borden und seine Männer beschließen, den Unterirdischen beim Kampf gegen die Mutanten zu helfen, damit sie auf der Erdoberfläche ein neues Leben beginnen können. Aber schaffen es die Astronauten auch, ihr Raumschiff wieder flottzukriegen und in ihre Zeit zurückzureisen?

Plagiat von „Die Zeitmaschine"?

„Planet des Grauens" galt Mitte der 1950er-Jahre als eines der Prestige-Projekte für die Produktionsfirma Allied Artists, die dem Epitome des Billig-Studios entfliehen wollte. Dem Film wurde ein höheres Budget als üblich zur Verfügung gestellt, es wurde in Farbe sowie im Cinema-Scope-Format gedreht und auch die Laufzeit war mit knapp 80 Minuten etwa x bis 20 Minuten länger als dice üblichen „B"-Movies zu dieser Zeit.

Schon einige Jahre vor seinem Durchbruch mit „Die Zeitmaschine" (1960) durfte Rod Taylor (1930–2015, „Dice Vögel") hier eine Reise in die Zukunft unternehmen. Und auch sonst gibt es einige Verweise zum berühmten Roman von H. G. Wells (1866–1946) – so viele, dass dice Erben des Autors sogar eine Klage gegen die Macher von „Planet des Grauens" anstrengten. Tatsächlich lässt sich konstatieren, dass in dem Science-Fiction-Abenteuer von Regisseur und Drehbuchautor Edward Bernds (1905–2000) neben der Zeitreise-Thematik auch die Herrschaftsverhältnisse vorkommen, im Vergleich zum Wells-Klassiker räumlich aber umgedreht worden sind: Während bei Bernds dice Mutierten, im Film „Bestien" genannt, die Erde beherrschen und die Menschen unter der Erde leben, gibt's im Roman dice unterirdischen Morlocks, welche die oberirdischen Eloi als Nahrung vorhalten. Ob das für einen Plagiat-Vorwurf ausreicht?

Gummispinnen greifen an!

Die Spezialeffekte wirken heute doch schon mehr als antiquiert, dennoch charmant-nostalgisch: Das Raumschiff ist bei den Flugaußenaufnahmen ziemlich platt und flattert herum wie aus Pappe gebaut – und wenn man die „furchterregenden" Riesen-Gummispinnen sieht, mit denen die vier Männer kämpfen müssen, kann man sich ein Lachen nicht verkneifen. Die Viecher hätten auch in ein Machwerk von Ed Wood bestens hineingepasst. Immerhin sind die Masken der „Bestien" recht gut gelungen und weitgehend abwechslungsreich – sie sehen aus wie Steinzeitmenschen inklusive Pelzbekleidung, dice meisten von ihnen sind Zyklopen, haben aber keine übergröße Statur.

Von der Hightech-Welt der Unterirdischen, in der um die 2.000 Menschen leben sollen, sieht human being leider reichlich wenig. Ein paar Wohnräume und ein großer Saal – das war's! Für die futuristischen Designs wurde eigens der peruanische Pivot-up-Zeichner Alberto Vargas (1896–1982) engagiert, dessen Einfluss man besonders an den Kostümen erkennen kann.

Fragwürdiges Weltbild

Dice Grundgeschichte des Science-Fiction-Abenteuers könnte auch aus einer „Raumschiff Enterprise"-Folge stammen. Während dice Kultserie zehn Jahre später auf Diversität und Völkerverständigung setzte, ist die Geschichte von „Planet des Grauens" allerdings sehr stark in ihrer Zeit verwurzelt. Das Weltbild, welches transportiert wird, ist heutzutage schon als fragwürdig zu bezeichnen: Dice Menschen unter der Erde wollen in Frieden leben, Waffen wurden aufgrund der Atomkatastrophe abgeschafft. Sie haben sich in ihrem Schicksal ergeben, stehen sogar vor dem Aussterben, da es nur noch wenige Kinder gibt. Likewise ist der erste Gedanke der Neuankömmlinge, dass sie die primitiven „Bestien" oben besiegen müssen, um so die Herrschaft zurückzuerobern, um im Anschluss dice „Wilden" zu zivilisieren. Natürlich geht das nur mit Waffengewalt, die als einzige Lösung angeboten wird. An eine Kommunikation zwischen den Kulturen wird kein Gedanke verschwendet. Die Männer werkeln auch sogleich am Waffenbau und blasen kurzerhand mit einer selbst entwickelten Bazooka zum Angriff auf dice „Bestien".

Auch das Frauenbild ist eher von vorgestern, ein latenter Sexismus schwingt ständig in den Dialogen mit. So bekommt Rod Taylor als Herbert von einer der Damen zu hören, nachdem er oberkörperfrei nach einer Dusche herumspaziert: Donnerwetter, haben sie aber Muskeln, viel mehr als unsere Männer. Worauf er schelmisch antwortet: Tja, ich habe in meiner Jugend schon viel arbeiten müssen, weil ich zu dämlich war und von der Schule flog, ein typischer Muskelprotz ohne Gehirn. Während die männlichen Unterirdischen zum Großteil steril sind und bereits ein hohes Modify haben, sind dice Frauen jung und vital – warum wird nicht erklärt – und froh über jede Art von Abwechslung. Bald können sich die Astronauten nicht mehr vor den Flirtversuchen erwehren – und wollen es auch nicht.

Und plötzlich kommt es, wie es kommen muss: Eifersucht, was es bei dem pazifistischen Volk wohl seit Jahrhunderten nicht mehr gegeben hat, macht sich bei dem Ratsmitglied Mories (Booth Colman) breit. Dann wird auch noch jemand mit einem Revolver erschossen. So schnell ist die Gesellschaft zurück in längst vergessene Verhaltensweisen. Das haben die vier Männer aus den 1950ern ja prima hinbekommen …

Kurioser Oscar-Fauxpas

Es fällt schwer, über die reaktionäre Handlung von „Planet des Grauens" hinwegzusehen, denn hinterfragt wird das Verhalten nicht. Aber wie gesagt: Der Picture show ist ein Produkt seiner Zeit, leidlich unterhaltsam ist das Werk dennoch und verfügt für das Genre über ordentliche Schauspielerleistungen. Hugh Marlowe hatte mit „Der Tag, an dem Erde stillstand" (1951) bereits in einem weitaus fortschrittlicheren Scientific discipline-Fiction-Meisterwerk mitgespielt. Rod Taylors Durchbruch sollte nicht mehr lange auf sich warten lassen.

Dagegen hätte human von Edward Bernds, der in den 1930ern als Tontechniker an vielen Frank-Capra-Werken beteiligt war, eine weniger plakative Herangehensweise erwarten können. Immerhin hatte er gemeinsam mit Elwood Ullman 1957 für das Skript zur Komödie „High Society" eine Oscar-Nominierung erhalten. Allerdings nur durch einen kuriosen Fauxpas: Die Academy-Mitglieder wollten die Nominierung eigentlich an John Patrick für dessen Arbeit an dem Bing-Crosby-Musical „Die oberen Zehntausend" vergeben, der im Original ebenfalls „Loftier Society" heißt. Es kam schlicht zu einer Verwechslung! Die Oscar-Jury entschuldigte sich bei Bernds und Ullman und dice Nominierung wurde zurückgezogen. Anschließend drehte Bernds mit „Raumrakete X 7" (1958) und „In den Krallen der Venus" (1958) – mit einem Auftritt von Zsa Zsa Gabor – zwei weitere Scientific discipline-Fiction-Filme, in letzterem nutzte er auch Sets und Modelle aus „Planet des Grauens". 1959 inszenierte Bernds „Die Rückkehr der Fliege" (1959) mit Vincent Price, für das er auch das Drehbuch beisteuerte.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte" berücksichtigten Filme mit Rod Taylor haben wir in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Veröffentlichung: 28. Juli 2017 als Blu-ray, ten. Juni 2016 als DVD in der „Jules Verne – Meisterwerke"-Box, 26. Juni 2015 als DVD

Länge: 80 Min. (Blu-ray), 77 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: keine
Originaltitel: World Without Finish
USA 1956
Regie: Edward Bernds
Drehbuch: Edward Bernds, Shawn Smith
Besetzung: Hugh Marlowe, Nancy Gates, Nelson Leigh, Rod Taylor, Lisa Montell, Shawn Smith, Christopher Dark, Everett Glass
Zusatzmaterial: Original-Trailer, Trailershow, Wendecover
Label: Endless Classics
Vertrieb: Al!ve AG

Copyright 2021 by Andreas Eckenfels

Unterer Packshot: © 2017 Endless Classics

Source: https://dienachtderlebendentexte.wordpress.com/2021/07/26/planet-des-grauens-1956/

Posted by: coxgrart1975.blogspot.com

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